Geistertreppe wegen Angst vor Sexgangstern und Terror?

Kölns teuerste Aussichtsplattform wird ausgerechnet bei einer der größten Veranstaltungen der Stadt zur Geistertreppe: Der 25 Millionen Euro teure Rheinboulevard wird am 15. Juli bei den sogenannten „Kölner Lichtern“ mit illuminierten Schiffskonvoi und rekordverdächtigem Höhenfeuerwerk gesperrt werden. Wo laut vollmundiger Planung bis zu 22.000 Menschen genau solche Events mit Panoramablick auf Kölns Schokoladenseite – also Dom, romanische Kirchen, etc. – mitverfolgen können sollten, wird dann gähnende Leere herrschen.

Offizieller Grund: Die mangelnden Entfluchtungsmöglichkeiten bei großem Menschenandrang im Norden und Süden der Freitreppe. Inoffiziell wird dagegen nicht nur auf den Kölner Rathausfluren gemunkelt, dass die Verantwortlichen bei Stadt und Polizei die Angst vor einem Silvester 2.0 oder islamischen Terroranschlägen umtreibt.

Andere Begründungen klingen zumindest vorgeschoben und unglaubwürdig. Schließlich ist die Frage der Entfluchtung nicht vom Himmel gefallen, sondern muss doch von Anfang an bei den Planungen des Rheinboulevards für genau solche Megaevents berücksichtigt worden sein. Falls nicht, wäre das 25 Millionen-Projekt mit weiteren jährlichen Unterhaltskosten im siebenstelligen Bereich der wohl größte Schildbürgerstreich der letzten Jahre in Köln.

Relativ neu hingegen sind die gigantischen Auswüchse terroristischer und krimineller Bedrohungen bei Massenveranstaltungen. Waren solche Ereignisse immer schon mit einem höheren Grundrisiko als normal versehen, so sind sie jetzt geradezu alptraumhaft: Spätestens seit den islamischen LKW-Massakern von Nizza und Berlin, den Tötungsorgien in den Amüsiermeilen von Paris und London oder den Bomben auf Kinder in Manchester geht überall in Europa bei größeren Menschenansammlungen die Angst mit aus. Und auch unterhalb terroristischer Gewalttaten haben neue „kriminelle Bereicherungen“ wie z.B. in der Kölner Silvesternacht 2015 Einzug in Deutschland gehalten.

Zurecht befinden sich deshalb die Sicherheitsbehörden in permanenter Alarmbereitschaft und legen z.B. auch neue Maßstäbe bei der Genehmigung öffentlicher Großveranstaltungen an. Doch gleichzeitig versucht die etablierte Politik diese Krise herunterzuspielen. Es wird verharmlost und vertuscht, was geht. Mehr als einmal haben sich in der Vergangenheit Angaben zu Tätern oder zu potentiellen Risiken als Vernebelungstaktik entlarvt. Man könne der Bevölkerung eben nicht alles sagen, um sie nicht zu verunsichern, wie schon unser Bundesinnenminister so lapidar feststellte.

Am Beispiel des Kölner Rheinboulevards zeigten sich die Behörden in der Vergangenheit geradezu kreativ bei der Bemäntelung notwendiger, aber politisch unkorrekter Anordnungen: Weil schon im Frühsommer an den ersten warmen Abenden die neue Freitreppe zum Tummelplatz „südländischer“ Krimineller wurde, verhängte das Ordnungsamt ein Shisha-Verbot für den gesamten Bereich, um das dazu gehörige Klientel verscheuchen zu können. Statt politisch unkorrektem „racial profiling“ also unverdächtiges „Shisha-profiling“ mit einem ähnlichen Ergebnis – wie pfiffig!

Doch nicht alle der „schon länger hier Lebenden“ möchten sich gerne vom Staat, den sie finanzieren, von früh bis spät veräppeln lassen. Wir sind keine Kinder, die vor bösen Wahrheiten geschützt werden müssen! Vor allem wenn damit beabsichtigt ist, die Frage nach den politisch Verantwortlichen für die Misere gar nicht erst aufkommen zu lassen.

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Dieser Beitrag des PRO-KÖLN-Ratsmitgliedes Markus Wiener erschien zuerst auf dem größten deutschen Politblog PI-News.