Fronleichnams-Gedanken: Der Verlust unserer Identität

Lange Zeit war das katholische Christentum prägend für die Identität Kölns. Das „heilige Köln“ war im Mittelalter ein geographisches und kulturelles Zentrum der christlichen Abendlandes. An diesem Donnerstag am katholischen Hochfest „Fronleichnam“ wird daran nicht mehr viel erinnern, auch wenn das Kölner Erzbistum natürlich noch eine feierliche Messe und Prozession durchführt.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Schon durch Reformation und Aufklärung wurden Stellung und Prägekraft der katholischen Kirche in der Gesellschaft geschmälert. Die meisten kulturellen Traditionslinien und Bräuche blieben abseits von Religionsfragen aber auch in Köln erhalten. Oder anders ausgedrückt. Köln war bis vor wenigen Jahrzehnten immer noch eine christlich geprägte Stadt im Herzen des Abendlandes, auch wenn die Macht der Amtskirche und der Anteil der Katholiken in der Bevölkerung abgenommen hatten.

Das ist heute inzwischen anders: Köln ist trotz Dom und etwas katholischer Folklore an Feiertagen kein kulturelles Zentrum des christlichen Abendlandes mehr – und auch der Charakter einer deutschen Stadt erscheint auf mittelfristige Perspektive unsicher. Der religiösen Beliebigkeit ist im Zuge  der linken 68er Bewegung auch die gezielte Dekonstruktion (Zerstörung) gewachsener Traditionen und Werte gefolgt. Und im Zuge immer neuer Einwanderungswellen ist auch die Basis für die Überlieferung und Bewahrung der eigenen Identität – also die alteingesessene einheimische Bevölkerung – abgeschmolzen.

Heute verfügen bereits 38 Prozent der Kölner über einen sogenannten Migrationshintergrund, bei den Kölner unter 18 Jahren sind es schon über die Hälfte, in manchen Stadtteilen sogar 80 % und noch mehr. Ebenfalls die Hälfte der Bewohner bekennen sich noch zu einer der beiden christlichen Konfession. „Moderne Kirchenfürsten“ wie der neue Kardinal Woelki haben sich diesen Verhältnissen und dem links dominierten Zeitgeist nicht nur angepasst, sondern anscheinend gerne und vollständig unterworfen. Nicht erkennend, dass sie damit auch noch die ihnen verbliebenen, zumeist konservativ eingestellten „Schäfchen“ verprellen werden. Identitätsstiftend und -bewahrend wirkt solch ein neuzeitlicher Tanz um das goldene Kalb ebenfalls nicht.

(Gedanken eines alten Ministranten und heutigen PRO-KÖLN-Ratsmitglieds Markus Wiener zu Fronleichnam …)