Stadtarchiv-Einsturz: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen …

Aus den Kölner Medien konnte man dieser Tage erfahren, dass der Prozess zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit zwei Toten im Januar 2018 beginnen soll. Beschuldigt werden vier Mitarbeiter von Baufirmen und zwei Mitarbeiter der KVB, also Mitarbeiter der unteren Ausführungs- und Überwachungsebene.

Immerhin ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass durch eine Fehlstelle in der Beton-Schlitzwand der Boden unter den Fundamenten des Stadtarchivs ausgespült wurde. Was jedoch offenbar nicht zur Sprache kommt, dass sich dieser Vorgang des Bodenentzuges unter dem Archiv über einen längeren Zeitraum hinzog.

Während dieser Zeit kam es zu mehreren Unregelmäßigkeiten, welche auf einen gestörten Bauablauf hinwiesen. So wurde die Pumprate zur Absenkung des Grundwassers aus der Baugrube ständig erhöht, es kam zu Setzungen des Stadtarchivs und Rissen und Abplatzungen im Inneren des Gebäudes – und das lange vor dem Einsturz.

Warum ist man den sich lange vor dem Einsturz abzeichnende Unregelmäßgkeiten und Alarmzeichen nicht auf den Grund gegangen?

Eine Ursachenforschung und somit Gefahrenabwehr hätte nur von den verantwortlichen Entscheidungsträgern veranlasst werden können und nicht von einem Baggerfahrer oder von den Leuten der unteren Ebene der Bauaufsicht, die pikanter Weise bei der KVB selbst lag. Technischer Vorstand der KVB war zu dieser Zeit übrigens der frühere Kölner CDU-Chef (und gelernte DB-Zugbegleiter ) Walter Reinarz ….

Diese Ursachenforschung ist ganz offenbar nicht geschehen. Es wurden also Maßnahmen nicht angeordnet, die den Einsturz des Archivs hätte verhindern können – obwohl genügend Zeit dafür vorhanden gewesen wäre.

Hier wurden ganz eindeutig die anerkannten Regeln der Technik außer Acht gelassen.

Aber wie sagt schon der Volksmund ?

„Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen!“

Bekanntlich stinkt der Fisch zuerst vom Kopf her. Warum sollte das beim berüchtigten kölschen Klüngel anders sein?

Denn für die Missachtung der technischen Regeln und der sich abzeichnenden Unregelmäßigkeiten in langem zeitlichem Vorlauf vor dem Einsturz des Stadtarchivs sind die Entscheidungsträger der Aufsichtsbehörden und der Projektleitung / Bauüberwachung der KVB zumindest mitverantwortlich zu machen.

Bildnachweis oben: Von Frank Domahs, Köln weitere Infos unter: http://www.domahs.de – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6497539