Silvester 2017: Teetrinken statt klarer Kante gegen Sexmob?

Ein Kommentar des stellvertretenden PRO-KÖLN-Vorsitzenden Markus Wiener zum Symposium „Silvester 2017“, das am Donnerstag auf Einladung der Kölner Polizei mit zahlreichen Vertretern von Politik und Behörden im Polizeipräsidium Kalk stattgefunden hat und an dem auch die Ratsgruppe PRO KÖLN mit dem Politologen Wiener vertreten war:

Nach der Kölner Silvesternacht 2015 mit hunderten Sexual- und Eigentumsdelikten zu Lasten junger Frauen, war der konsequente Polizeieinsatz in der Silvesternacht 2016 die einzig mögliche Antwort auf das hemmungslose Treiben der zumeist asylfordernden „südländischen“ Täter des Vorjahres. Doch anstatt aus diesem erfolgreichen Polizeieinsatz 2016 die richtigen Schlüsse für Silvester 2017 zu ziehen, kritisierten die wissenschaftlichen Beiträge auf diesem Symposium die angeblichen Fehler der Polizeikräfte – Stichwort „Racial Profiling“. Nach einer zuerst sachlich-fundierten Vorstellung der Fakten und polizeilichen Erkenntnisse zu den beiden Silvesternächten folgten nämlich Gastreferate von Wissenschaftlern wie dem Bielefelder „Anti-Rechts-Spezialisten“ und „Konfliktforscher“ Andreas Zick, die Ursache und Wirkung offenbar bewusst verwechselten und vor realitätsfernen gutmenschlichen Ratschlägen nur so trieften.

Doch der Reihe nach, zuerst zu den von Kriminalbeamten des Polizeipräsidiums Köln präsentierten Fakten: Demnach handelte es sich bei den an Silvester 2016 kontrollierten über 600 aggressiven oder sonstwie auffälligen Männer zu fast zwei Drittel um Asylbewerber. Erstaunlich dabei: Die größten Nationalitätengruppen waren demnach – zumindest auf dem Papier – Syrer und Iraker und nicht etwa „Nafris“, also junge Araber aus nordafrikanischen Staaten. Eine Erkenntnis, die aber selbst von der Kölner Polizei angezweifelt wird, der sich vor Ort dank „Sprachmittler“ ein anderes Bild geboten hätte. Falls dem so wäre, hätten also zahlreiche der 2016 kontrollierten Personen falsche Angaben bei ihrer Einreise gemacht. Falls dem nicht so wäre, würde das ein bezeichnendes Licht auf die angeblich viel unproblematischere Gruppe der syrischen Flüchtlinge werfen. In beiden Fällen können sich Kritiker der bundesdeutschen Asylpolitik wieder einmal bestätigt fühlen. Weitere wichtige Erkenntnis der Polizeiexperten: Auch an Silvester 2017 sei wieder in ähnlicher Größenordnung mit der Anreise problematischer Männergruppen zu rechnen.

Man sollte also meinen, dass ein Symposium zu Silvester 2017 deshalb vor allem die Gründe dafür beleuchtet, warum es im Jahr 2015 zu einem solchen Desaster kam und warum hingegen im Jahr 2016  Sicherheit und Ordnung weitestgehend gewährleistet werden konnten. Doch weit gefehlt: Die anschließenden Fachvorträge geladener Wissenschaftler wie dem Bielefelder Soziologen Andreas Zick oder dem Bochumer Kriminologen Thomas Feltes hatten vor allem angebliche Fehler des Polizeinsatzes 2016 im Blick. Angefangen bei der Frage nach dem sogenannten „Racial Profiling“, also dem Ermitteln verdächtiger Personen auch nach äußeren Merkmalen wie Hautfarbe oder etnischer Herkunft,  bis hin zum Vorwurf eines zu martialischen Auftretens der Polizei. Dabei gaben sich die Herren Professoren alle Mühe, dem Klischee des gutmenschlichen Geschwätzwissenschaftlers vollumfänglich gerecht zu werden und vertauschten fleißig Ursache mit Wirkung.

Während der Soziologe Zick die anwesenden Polizeipraktikern belehrte, dass polizeiliches Handeln überhaupt erst Aggressionen und negative gruppendynamische Prozesse bei solchen Menschenansammlungen auslösen könnte, verlor sich der Kriminologe Feltes in seinem Vortrag in bester Alt-68er Rhetorik. Diese gipfelte in der Empfehlung, nächstes Silvester auffällige Personengruppen vielleicht besser zum Teetrinken einzuladen, statt sie gleich zu kontrollieren. Illustriert waren seine abenteuerlichen Ausführungen zum Thema „polizeilicher Umgang mit Gruppen an Silvester“ übrigens mit mehreren Schaubildern, die bekannte Politiker und Plakate rechtsdemokratischer Parteien kritisch beleuchteten (Bild oben). Die dahinter stehende Logik – falls es den eine geben sollte – blieb nicht das einzige Geheimnis seiner Ausführungen. Oder wie man in der Schule sagen würden: Thema verfehlt, setzen, sechs.

Jedenfalls zeigte sich auch an diesen Beispielen wieder, warum der gesunde Menschenverstand akademischer Bildung manchmal haushoch überlegen ist. Denn eines konnten auch Feltes und Zick nicht übertünchen: Gerade die schwache und zurückhaltende Polizeipräsenz in der Silvesternacht 2015 hat erst die Voraussetzung für den sexuellen Missbrauch und die brutale Demütigung hunderter Mädchen und Frauen geschaffen. Zur Auslebung ihrer widerlichen Macht- und Sexphantasien brauchten die zumeist jungen Araber keinen „auslösenden Impuls“ der „bösen deutschen Gesellschaft“ oder einer „schikanierenden Polizei“. Dagegen hat an Silvester 2016 nur der personalstarke Polizeieinsatz, verbunden mit einer niedrigen Einschreitschwelle und hohem Kontrolldruck, die Wiederholung ähnlicher Verbrechen verhindert. Diese einfachen Tatsachen können auch mit dem schönsten Fachchinesisch nicht wegdiskutiert werden. Deshalb ist es auch für Silvester 2017 geradezu zwingend geboten, auf die Erfahrungen des erfolgreichen Polizeieinsatzes 2016 zurückzugreifen. Zumindest, wenn einem die öffentliche Sicherheit und körperliche Unversehrtheit hunderter Unschuldiger wichtiger sind, als der verletzte Stolz einiger vielleicht zu Unrecht kontrollierter Personen.